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colonizeR/D

Digitale Collage > Projektion > Fotografie, 2022





Im Englischen unterscheiden sich die entgegengesetzten Positionen des Begriffspaares 'colonizer/colonized' lediglich durch den letzten Buchstaben. Das Zusammenführen der beiden Buchstaben 'r' und 'd' visualisiert die Beobachtung, dass die Belange von Kolonisatoren und Kolonisierten überlappen und notwendigerweise miteinander verflochten sind (Edward Said, Culture and Imperialism, 1994). Andere Aktiv/Passiv-Paare, für die sowohl die minimale sprachliche Unterscheidung im Englischen also auch Saids Argument gelten, sind 'exploiter/exploited', 'offender/offended' und auch das vermeintlich weniger problematische 'lover/loved'.

Die Arbeit möchte für Kontexte sensibilisieren, die durch Aktiv/Passiv-Paare definiert sind und hinterfragt die Möglichkeit von eindeutiger Kategorisierung im allgemeinen und der von Gegesätzen im besonderen. Damit bricht sie eine Lanze für Konzepte wie Ambivalenz, Hybridität und sog. 'undecidables', die für eine Umgehung klarer Trennungen und Abgrenzungen stehen. Die fremdartigen Zeichen sind durch eine Überlagerung der Buchstaben 'r' und 'd' in unterschiedlichen Schrifttypen entstanden. Sie sollen den Betrachter stutzig machen und dazu anregen, ausgetretene Pfade der Klassifizierung zu verlassen und neue Lesarten von "r/d-Angelegenheiten" zuzulassen.

Die Projektion der r/d-Zeichen auf einen Globus und einen Quilt sind Metaphern für die Durchdringung globaler wie lokaler Kontexte, öffentlicher wie häuslicher Sphären mit r/d-Angelegenheiten. Die Verzerrung und Textur der Zeichen visualisiert die Abhängigkeit der Erscheinungsformen universalisierter r/d-Konzepte von den orts- und zeitspezifischen Umständen.

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